tja, das ist so eine sache mit der mondfinsternis. im radio verkündeten sie etwas von "orangefarbenem schatten". oder so. weil das blau weg ist weil die erde im weg ist und dann bleibt nur rot und überhaupt.
wie auch immer. also, ich sehe nichts. genaugenommen seh ich momentan nicht mal den mond, denn es ist bewölkt und es regnet. und außerdem schmeißt der wind immer meine narzissen um.
aber vorhin am heimweg hab' ich den mond gesehen und auch ein bißchen was von der finsternis - hatte aber nichts rotes, eher was graues. war aber teilweise verfinsternist, eindeutig. hübsch, so eine mondfinsternis. wirkt auch irgendwie magisch. schade ist das mit der wolkendecke, aber vielleicht schaut der mond ja doch noch durch. und außerdem ist "die 2" im fernsehen, das ist auch ganz schön. aber nicht so schöne wie eine mondfinsternis.
ich erinnere mich noch, als ich klein war war auch einmal eine mondfinsternis angesagt, allerdings nur eine partielle und ich weiß noch, daß ich eher enttäuscht war, weil ich mir das ganze irgendwie spektakulärer, signifikanter vorgestellt hatte. ich dachte, nach so einer mondfinsternis müßte alles ganz anders werden. wurde es aber nicht. ich habe auch dem wohnzimmerfenster meiner großmutter auf den mond geschaut, abends, als es dunkel war, allein, vermutlich viel zu früh für die eigentliche finsternis. ich muß noch sehr klein gewesen sein, denn das fensterbrett liegt in meiner erinnerung so hoch. und auch wenn das haus an das ich mich erinnere schon lange nicht mehr steht weiß ich doch, daß es anders aussah als ich schon groß und das haus noch da war.
die weißen vorhänge, das weißlackierte fensterbrett, die rote ecksitzbank mit dem samtbezug. draußen die dunkelheit, die dunkelblaue nacht, die briken vor den fenstern, im garten die sommerrosensträucher, das gittergartentor, dann der gehsteig, das bankett, die straße, wieder gehsteig, das nachbargrundstück und dann die bäume und der mond und ich war irgendwie enttäuscht, denn er sah nicht anders aus und alles sah nicht anders aus und war wie immer und gleichzeitig war ich nicht enttäuscht, denn schließlich war es der mond und ich sah die muster und die krater und das gesicht, wenn man lange genug hinschaute. der mond hat mich immer versöhnt. ich mochte den mond, mag den mond. er wirkt so freundlich.
und ich erinnere mich an die totale sonnenfinsternis, damals, in irgendwelchen schulferien, als wir am dach des hauses meiner besten freundin saßen. über einen rauchfangkehrersteg waren wir auf das dach geklettert zu den anderen menschen und auf allen anderen dächer waren auch menschen und es wurde langsam dünkler und kälter und die vögel hörten langsam auf zu fliegen und zu singen. wir hielten unsere sonnenfinsternisbrillen fest und erwarteten, wartetetn, gespannt auf das ereignis. und warteten, daß alles anders würde und doch alles gleich wäre, aber eben anders und irgendwie war es dann auch so.
ein maler wohnte in dem haus udn als wir auf das dach stiegen steckte er den kopf aus dem fenster "wos mochts es do?" "aufs dach steigen, herr melchert, sonnenfinsternis! kommen Sie auch?" er hat gelacht, nein, er kommt nicht, aber wenn alles vorbei ist, sollen wir bei ihm klopfen, wir dürfen auch durchs fenster klettern, wenn uns das lieber ist. und so klopften meine freundin und ich, verändert und gleichgeblieben von der sonnenfinsternis, zusammen mit ihrer mutter und ihrer schwester, meiner zweitfamilie, an die tür zu herrn melcherts atelier. und tranken weißwein und redeten und lachten und riefen den vater der zweit-familie an, um brot und speck. und er kam und brachte brot und speck und ein großes scharfes messer und der maler melchert brachte noch mehr weißwein und wir lachten, lachten, lachten....
aus unserer sonnenfinsternis-runde leben nur noch die frauen, die männer sind uns vorausgegangen. und vielleicht sitzen sie manchmal zusammen auf einer wolke, essen speck und trinken weißwein und reden über die sonnenfinsternis, damals, weißt du noch? wer weiß.... aber ich denke es mir gerne so.
ich habe die narzissen hereingeholt, der wind wirft sie immer wieder um und sie tun mir leid, so gebeutelt draußen, die hübschen blüten könnten brechen. heute verbringen sie die nacht am gangfensterbrett. den mond kann ich immer noch nicht sehen, was schade ist. aber ich weiß, daß er da ist und das ist auch schön und so bleibe ich auch nach dieser mondfinsternis immer die selbe, immer eine andere...
nothing's gonna stop me from floating
tori amos, "father lucifer". eine meiner liebsten text- und melodielinien. immer traurig, immer zuversichtlich. nothing's gonna stop me from floating..........
mondfinsternis-update... es hat aufgerissen! so ist der narzissen-umwerfende wind doch noch zu etwas anderem gut gewesen. hübsch, so eine mondfinsternis. und irgendwie bedeutend und doch so althergebracht, so wiederholbar, so einzigartig so vergänglich. das finde ich schön...
mondfinsternis-update, die zweite.... großvaters altes fernglas rausgekramt, russisches fabrikat. kann sogar meine kurzsichtigkeit auskorrigieren, daher durchsicht ohne brille möglich. mond in seiner ganzen runden gelben pracht bestaunt. wunderschön!
erfahrungsbericht aus
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