thinktank

Dienstag, 19. Februar 2008

fütter ihn!

ich möchte mal auf ein interessantes phänomen hinweisen, das ich in den letzten tagen beobachten konnte:

mütterliche frauen in meiner umgebung haben sich angewöhnt, mir gelegentlich essen aller art für herrn aiiiiia mitzugeben.

das finde ich interessant.

ich meine, ja, herr aiiiia isst gern. und viel. und oft. aber er kann das normalerweise auch sehr gut ohne mich - er hat ja schon viel übung...

warum wohl wollen alle herrn aiiia füttern?

will man mir damit eine freude machen?
will man ihm damit eine freude machen?
glauben sie, er kriegt nicht genug zu essen?
sieht herr aiiiia immer so hungrig aus?

fragen über fragen... es ist ein rätsel.
ob ich das cookie ragen sollte?

Montag, 11. Februar 2008

quatsch

in letzter zeit fühle ich mich total internet-mitteilsam - und Sie alle haben darunter zu leiden. =)

erstmal guten morgen! ich hoffe, es geht Ihnen gut und Sie haben gut geschlafen und haben bis jetzt einen schönen tag... ich selbst habe ja momentan semesterferien (eine ganze woche lang! juhuu!), hoffentlich die letzten semesterferien meines lebens. ich bin ganz froh, daß die ferien jetzt da sind, die letzten wochen waren doch sehr anstrengend.

seit meinem "rant" beitrag geht es mir schon viel besser, aber magenschmerzen oder bauchweh hab' ich noch immer ziemlich oft - der herr aiiiia und ich sind uns sicher, es ist psychosomatisch. wir sind uns nur nicht ganz sicher, warum. naja, ich bin eben ein huhn - im übertragenen sinne, versteht sich. früher, als ich noch klein war und ich darüber nachdachte, welcher fraggle ich wohl wäre, dachte ich, ich wäre wohl eine kreuzung aus mokey und red - aber meine mamma sagte immer: du bist boober! boober sockenwäscher! - und ich wußte schon damals, daß sie recht hatte, aber das hätte ich nie zugegeben. in meinen träumen war ich wie red und mokey, in realität wie boober und wembley: ich habe mir über die unsinnigsten dinge sorgen gemacht wie boober und ich konnte mich schlecht entscheiden aus angst, jemanden zu verletzen wie wembley. (über gobo habe ich nie nachgedacht - ich kannte menschen mit gobos eigenschaften, aber ich wußte, zu denen gehöre ich nicht.) boober zu spielen war nicht spannend und glamourös genug. außerdem könnte man meinen, daß ich, nachdem ich schon in der realität boober verkörperte, es nicht aus noch im spiel tun wollte.

ich habe ja nun schon einige erfahrung damit, mit den eigenschaften von boober und zu leben und mittlerweile weiß ich auch, daß ein bißchen fraggle in jedem von uns steckt.

lesen Sie heute: psychoanalyse und die fraggles mit frau idoru.
übrigens wäre es interessant, analogien zu ziehen zwischen den fraggles und den charaktären in pu der bär - boober ist eyore, red ist tigger, wembley ist eine kombination aus rabbit und...
ich hör jetzt auf damit, okay?

glückwunsch übrigens, wenn Sie so weit gekommen sind. meine beiträge sind ja oft lang und ich freue mich immer, wenn Sie mit mir bis zum ende durchhalten. oder wenigstens so tun. =)

jedenfalls (um bei den merkwürdigen analogien zu bleiben) - ich fühle mich wie ein song von den eels:
i am okay - i am okay - i'm not okay.
aber... das ist okay. ich werde damit schon fertig, ich komm da schon durch. leiden muß nur leider der arme herr aiiia mit mir. glücklicherweise sind es zwei "i am okay"s und nur ein "i'm not okay", wenn Sie verstehen, was ich meine. (und wenn nicht, auch.)

da ist etwas in mir, was... mich bedrückt. was mir angst macht und bauchschmerzen und was mich lange lange blogbeiträge schreiben lässt. einfach eine innere unruhe, die mich packt und schüttelt und nicht losläßt. aber diese woche habe ich ferien und das motto für selbige lautet: anstehende dinge erledigen. ruhig werden.

ich muß bis zum nächsten montag von meinem elevated-huhn-status auf den normalen huhn-status zurückkehren, sonst ist die arbeit am kons auf emotionaler ebene zu schwierig und zu belastend. also werde ich an dingen und an mir arbeiten, anchdenken und ruhig werden - und mit herrn aiiia ein paar tage wegfahren, nicht weit weg und auch nicht lange, aber dennoch. raus aus wien. vielleicht reicht das auch schon, um meinem frieden wieder näher zu kommen.

und bis dahin reicht mir fürs erste schon Ihre ungeteilte aufmerksamkeit. glückwunsch, Sie haben's geschafft. der beitrag ist zu ende. ich werde jetzt noch ein bißchen über die verschiedenen charaktäre in kindersendungen/büchern (die fraggles vs. pu der bär) nachdenken und Sie gegebenenfalls ein ander mal damit beglücken. bis dahin: fröhlichen montag Ihnen allen.

und hat's dir nicht gefall'n, dann bohr' dir doch ein loch ins kniiiiiiiiiiiiiiiiie!

Montag, 14. Januar 2008

what i miss

wissen Sie, was ich vermisse?

ich sage es Ihnen.

ich vermisse rick, den hummer.

manchmal vermisse ich ihn so sehr, daß ich weinen könnte. und wissen Sie auch was ich an rick dem hummer so vermisse? nein? ich weiß es selbst nicht. denn eigentlich vermisse ich nicht rick den hummer an sich. ich vermisse...

ich versuche Ihnen das zu erklären.

als ich aufgewachsen bin, haben wir, aufmerksame leser werden es bereits wissen, die sommer, weihnachten, ostern und ein paar wochen im jahr dazwischen in irland verbracht, in einem kleinen verschlafenen nest im südwesten. unsere nachbarn hatten kühe und windhunde, fürs rennen. unsere freunde hatten esel und fremdenzimmer und wochenlang kicherten alle, weil einer sein haus in der wunschfarbe seiner frau gestrichen hatte - ein ziemlich kräftiges rosa. das pub war wochenlang unterhalten. ebenso war die ortschaft unterhalten, als ein lesbisches paar aus deutschland eine kleine ziegenkäse-manufaktur aufmachte - interessant fand ich, daß die doch sehr konservativ-katholischen menschen in unserem 36-seelen dorf die lesben nett fanden. getratsch und gekichert haben sie natürlich trotzdem. aber, naja, das haben sie ja immer.

über uns auch, natürlich, besonders als meine mutter einmal mit dem kärcher die fenster außen abspritzte, i.e. putzte, besonders die nicht zu öffnenden, nicht erreichbaren oberlichten. später an diesem tag, frühabends, fuhr ich, wie so oft, samt kamera mit dem fahrrad hinunter zum strand und der bauer, der eine frappierende ähnlichkeit mit pierre richard besaß, holte mich unterwegs mit dem traktor ein. unsere unterhaltung verlief in etwa wie folgt:

pierre: hallo, na, wie geht's?
ich: gut, danke, und dir?
pierre: großartig! ein herrlicher tag, wunderbares wetter! und, was macht ihr so den ganzen tag?
ich: naja, nichts besonderes, ein bißchen outzen, spazieren gehen, morgen wollen wir vielleicht nach dingle hinüber fahren...
pierre: wundervoll! eine entzückende idee! und sonst?
ich: naja... nichts. nur ferien.
pierre (vertraulich): sag mal... was hat denn deine mutter da draußen mit dem ganzen wasser gemacht?
ich: sie hat die fenster abgespritzt, wir kommen da so schlecht ran.
pierre (verwundert): ja, aber warum?
ich: naja... sie waren schmutzig?
pierre (kichert): aber wenn es regnet werden die doch wieder schmutzig!
ich: jaaa... naja... ahm. trotzdem...
pierre (zu tode amüsiert): was für eine lustige idee!
ich: najaaaa...
pierre: na gut, schönen tag noch! mach's gut! schöne grüße zu hause! und viel spaß beim fensterputzen!
sprach's und tuckerte davon
ich: byeeeee!

DARÜBER haben sie auch noch eine ganze zeit lang geredet...
es war ein sehr sympathisches dorf mit sehr lustigen lieben menschen und wir hatten eine großartige zeit. wir haben viel erlebt. ah, ich könnte Ihnen geschichte erzählen... die von dem besäufnis mit dem pfarrer, oder die von con und kitty und ihrem shop/pub... oder die von dinny, the landmark, der aussieht wie eine zeichnung vom janosch und sogar in reiseführern gelistet wird... oder die vom truthahn mit dem papphut... oder die vom wellblechdach an weihnachten... oder die von den schwalbenjungen... und von weeping stones... und wie sich das haus angefühlt hat... und... und... alles. das alles wird nie wieder sein. aber ich werde es nicht vergessen. und vielleicht erzähle ich es Ihnen einmal.

aber nicht heute. heute erzähle ich nur noch von rick, dem hummer.

in einem ort in der nähe, wo ein "großer" hafen war, sehr idyllisch, mit neuen schiffen und alten schiffen und booten und schiffen zum anschauen und allen drum und dran, da war auch ein aquarium. ein kleines aquarium. ich weiß nicht mehr genau, wie es geheißen hat, auch nicht mehr genau, wie der ort geheißen hat und eine suche im internet ergab bislang nichts, aber ich erinnere mich genau daran. viele schulklassen dürften das kleine aquarium besucht haben, es gab viel lehrmaterial und viele kinderzeichnungen und...

...den erklärten liebling aller, den auch ich sofort ins herz schloß: rick the lobster. und rick war kein gewöhnlicher lobster, ooooh nein, rick war wunderschön tiefmittelblau. jaaaa. und warum? nun, rick wurde hauptsächlich mit squid gefüttert. und das machte ihn blau. selbes prinzip wie bei flamingoes and shrimp. oder wie bei hydrangeas and iron in the soil. rick war also blau blau blau. und ich fand ihn toll. wir haben ihn ein paar mal besucht,über die jahre, er wurde größer und blauer und freute sich seines lebens, so stelle ich es mir jedenfalls vor, denn er war die absolute attraktion des aquariums. alle liebten rick. a lobster with charisma, you might say.

sehen Sie, und das vermisse ich so sehr. diese freude. diese begeisterungsfähigkeit. denn bei uns würde es heißen - ein blauer hummer. ja, super. wie außergewöhnlich. laaaaaaangweilig! - aber nicht bei den iren. nicht bei denen, die in kleinen dörfern wohnen und sich auch an den kleinen dingen freuen, wie eben an rick, the lobster. das hat mir immer gefallen. das habe ich bewundert; und davon habe ich gelernt.

ich vermisse es, nach dem weg zu fragen und als vollkommen ernste antwort zu bekommen "dahin willst du? naja, da würde ich aber nicht von hier aus anfangen... aber na gut, also, du fährst auf der dingle road bis du bei ashe's vorbeikommst und wenn du dann die community hall siehst.... dann bist du zu weit! zwei straßen vorher mußt du rechts reinfahren, dann siehst du's schon."

ich vermisse es, auf unglückbekundungen wie "stell dir vor! der sturm hat uns die schindeln vom schuppen geholt und eine mauer umgeschmissen!" glückliche gesichter zu sehen und ausrufe zu hören wie "nein, was du für ein glück hast! es hätte ja viel schlimmer sein können! die schindeln hätten eine kuh treffen können! und es waren ja nicht die schindeln von eurem haus... also wirklich, was ihr für ein glück habt!"

ich vermisse rick, den hummer. ich vermisse ihn sehr.

Montag, 15. Oktober 2007

u-bahn gedanken

inspiriert von frau nahlinses beitrag dachte ich wieder einmal darüber nach, wie es ist wenn man jemanden den man nicht kennt in einem öffentlichen verkehrsmittel weinen sieht. soll man ihnen ein taschentuch reichen? oder so tun, als würde man es nicht bemerken?

ich habe auch einmal im bus geweint - in einem relativ überfüllten bus einer sehr stark frequentierten buslinie wiens. ich hatte nur ein ziel: mit möglichst viel würde möglichst schnell nach hause zu kommen und mich heulend dem lieben herrn parmenides in die arme zu werfen, den ich zur hilfe gerufen hatte ("du mußt bitte alles liegen und stehen lassen und sofort zu mir kommen." - er hat nicht nachgefragt. er hat "okay" gesagt und war da. ich habe großes glück, ihn zum freund zu haben). doch kaum hatte sich der bus in bewegung gesetzt, kullerten die tränen. ich habe nicht geschluchzt. ich habe nicht das gesicht verzogen. nur die tränen sind gelaufen und ich hatte kein taschentuch und konnte es nicht stoppen. ich hatte angst, daß mich jemand fragt ob alles in ordnung ist und gleichzeitig wäre mir das lieber gewesen als das höfliche wegsehen oder betonte nicht hinsehen, aber aus den augenwinkeln eben doch schauen. ich hätte mich über ein taschentuch gefreut.

daran habe ich mich erinnert, als ich letzte woche den jungen mann mir gegenüber in der u-bahn bemerkte. er weinte nicht, aber er blutete an der lippe oder an der nase und tupfte ständig nervös mit einem gebrauchten, zerwuzelten taschentuch an sich herum und stieg von einem fuß auf den anderen. dazwischen verbarg er das taschentuch in den taschen seiner bomberjacke, er trug außerdem helle jeans und weiße turnschuhe. die haare waren kurz geschoren, der kopf gesenkt und das gesicht duch den schirm eines kapperls verborgen. ich dachte sofort, oh-oh, der junge ist in eine schlägerei geraten. und überlegte, ob ich ihm ein taschentuch reichen sollte. vielleicht hätte er gern eines. vielleicht würde er mich auch anschreien, wer weiß. wenn ich nach kleidung und gebahren ging, schien er mir wenig vertrauenswürdig. aber er tat mir leid und ich erinnerte mich, daß ich mich damals über ein taschentuch gefreut hätte um einen rest meiner würde zu bewahren. also griff ich in die tasche und reichte dem jungen ein taschentuch. "möchtest du...?" fragte ich leise. und er blickte auf und ich sah in ein junges, frisches gesicht mit großen runden augen, die mich lustig anblickten. ""mm-mmhm - ich hab' schon" brummte er und deutete auf seine jackentasche. und strahlte mich an. "okay" sagte ich, steckte mien taschentuch wieder ein und lächelte. und er zog ein frisches taschentuch aus der bomberjackentasche und lächete auch. er war veilleicht sechzehn, siebzehn, viel älter nicht. nach unserem "gespräch" stand er gerader und hob den kopf. und lächelte. zwei stationen später stieg er aus und wir verabschiedeten uns.

ich erinnere mich gut an seinen gesichtsausdruck, nachdem ich ihm das taschentuch gereicht hatte. und ich versuche, diese erinnerung zu bewahren.

was versuche ich Ihnen zu sagen? ich weiß es nicht genau. ich habe heute schön gesungen (wenn Sie sich einen gesagstechnischen beitrag wünschen sollten, kann ich den gerne nachreichen) und bereits eine halbe flasche weißwein getrunken und ich warte auf herrn aiiia. und ich bin angeheitert und dankbar, daß ich so viel glück habe und hatte.

was also versuche ich Ihnen zu sagen? vielleicht: reichen Sie anderen ein taschentuch, wenn sie so aussehen als könnten sie's brauchen. klingt banal, aber mir gefällt's.

Freitag, 21. September 2007

note to self

how to be creative

by gapingvoid

Sonntag, 9. September 2007

der mann mit der großen uhr

als herr aiiiia und ich unlängst durch die stadt spazierten, abends, um des spazierens willen, wurden wir naß, müde und hungrig und entschlossen uns noch etwas essen zu gehen bevor wir den heimweg antraten.

so begaben wir uns in ein japanisches restaurant, herr aiiia aß sushi, ich aß udon und wir unterhielten uns über alles und nichts, wie es unsere art ist.

gleichzeitig sah ich mir die anderen gäste an. die beiden frauen am nebentisch, vielleicht mutter und tochter die sich selten sehen, oder tante und nichte oder vielleicht ehemalige kolleginnen, wer weiß das schon. die ältere von beiden in grellbunt gemusterten teuren stoff gehüllt, die jüngere dunkel in jeans. die ältere hatte eine grüne papierserviette in den weiten tiefen runden ausschnitt gesteckt, die jüngere aß spinat. dann die beiden frauen am tisch schräg über den gang, eine endvierzigerin mit kleinen unbändigen locken und hochwasserhosen und eine frau mit dem rücken zu mir mit haaren bis zum arsch. neben ihnen einen tisch weiter ein touristenehepaar, die beide japanisches bier tranken. die frau saß, wie ich, auf der bank, ihr mann ihr auf dem sessel gegenüber, wenn sie ihren blick schweifen ließ traf er immer meinen, der das selbe tat. dann sahen wir beide wieder weg. und am tisch zwischen den beiden frauen links und dem touristenehepaar rechts saß ein junger mann, etwa ende zwanzig, anfang dreißig, allein. als herr aiiia und ich kamen, war er mit seiner bento-box fast fertig, er trank dazu stilles mineralwasser und sah kaum von seinem essen auf.

während herr aiiiia und ich bestellten und schließlich aßen hatte der junge mann aufgegessen und studierte nochmals die speisekarte, um sich schließlich noch ein stilles wasser zu bestellen. er saß leicht gebeugt an die gepolsterte rückenlehne der bank gelehnt und starrte ins leere. er sah nicht so aus, als wäre deutsch seine muttersprache. zuerst dachte ich, er würde richtung tür sehen und auf jemanden warten, doch er sah einfach nur geradeaus. er ließ seinen blick nicht schweifen, er sah zu niemandem hin und niemandem zu, seine augen bewegten sich nicht. er sah einfach nur geradeaus. dabei wechselte er oft seine sitzposition, er stütze gern die hände auf den tisch und das gesicht in die hände, er beugte sich vor und lehnte sich zurück. er trug einen großen ring an der linken hand und eine große, auffällige uhr am linken handgelenk. und er sah geradeaus. er wirkte einsam.

der mann mit der großen uhr trank sein wasser langsam und bestellte schließlich noch eine kanne tee dazu. dann stand er auf und ging zur toilette. seine jacke ließ er auf der bank liegen. er kam zurück und setzte sich wieder. er wechselte die sitzposition, stützte das gesicht ind die hände, abwechselnd in die geschmückte und die ungeschmückte hand. die freie hand hielt die stützende hand immer fest. er sah leer geradeaus. und er sah sehr alleine aus. so alleine und so unglücklich mit dieser tatsache daß ich kurz überlegte, ob ich ihn fragen sollte ob er sich zu uns setzen wollte. offenbar wollte er noch nicht gehen, offenbar suchte er nach einem grund zu bleiben. vielleicht wollte er nicht nach hause, vielleicht hatte er später am abend noch eine verabredung. wer weiß. jedenfalls malte ich mir kurz aus wie es wäre, wenn er sich zu uns setzen würde. ich stelle mir oft so etwas vor. aber natürlich kann man nicht so einfach aufstehen, zu einem wildfremden menschen an den tisch gehen und sagen: "entschuldigen Sie bitte, sprechen Sie deutsch? ich sehe, Sie sind alleine, wollen Sie sich vielleicht zu uns setzen, dann leisten wir Ihnen gesellschaft. ich habe das gefühl, daß Sie das freuen könnte." man kann eben nicht hingehen und solche sachen sagen. das ist schade.

der mann mit der großen uhr stand auf und ging richtung tresen. er war ungewöhnlich groß und ziemlich bullig. ich sah auf seine hose, baggy jeans, seine schuhe, weiße sneakers, auf seinen schmuck und seine hände. und er kam mir einsam vor.

der mann mit der großen uhr kam zurück mit einer zeitschrift, setzte sich und begann, die zeitschrift durchzublättern. oft schlug er die seiten um ohne hinzusehen. und er sah geradeaus. ich sah oft zu ihm hin, aber er sah niemals in meine richtung und auch nie in eine andere richtung als geradeaus. er wartete. darauf, daß die zeit verging.

er trank seinen tee und sein wasser aus, stand auf und ging an den tresen um zu zahlen. er kam wieder, setzte sich und sah noch eine weile lang geradeaus. zur tür. ich denke, er wartete nicht darauf, daß jemand hereinkam sondern darauf, daß er gehen konnte. daß er ein "wohin" hatte und die zeit des wartens, alleine, vorbei wäre. er sah richtung ausgang, wie die menschen es immer tun, wenn sie irgendwo nicht sein wollen und noch nicht weg können. der mann mit der großen uhr rieb seine hände ein letztes mal, erhob sich, zog seine jacke an und ging.

ich hätte gerne gewußt, wohin. und ob er dort glücklicher war. und weniger einsam. ich hätte ihn gerne gefragt.

Montag, 19. März 2007

frage

warum heißt könig drosselbart eigentlich drosselbart?

wohnen in seinem bart viele drosseln? oder kommt das von erdrosseln?

die frage beschäftigt mich, seit ich ein kleines kind war und ja, ich kannte das wort erdrosseln, das war nämlich die frauenmörder-zeit, deren höhepunkt der unterweger jack bildete.....

Samstag, 3. März 2007

mondfinsternis in wien

tja, das ist so eine sache mit der mondfinsternis. im radio verkündeten sie etwas von "orangefarbenem schatten". oder so. weil das blau weg ist weil die erde im weg ist und dann bleibt nur rot und überhaupt. wie auch immer. also, ich sehe nichts. genaugenommen seh ich momentan nicht mal den mond, denn es ist bewölkt und es regnet. und außerdem schmeißt der wind immer meine narzissen um.

aber vorhin am heimweg hab' ich den mond gesehen und auch ein bißchen was von der finsternis - hatte aber nichts rotes, eher was graues. war aber teilweise verfinsternist, eindeutig. hübsch, so eine mondfinsternis. wirkt auch irgendwie magisch. schade ist das mit der wolkendecke, aber vielleicht schaut der mond ja doch noch durch. und außerdem ist "die 2" im fernsehen, das ist auch ganz schön. aber nicht so schöne wie eine mondfinsternis.

ich erinnere mich noch, als ich klein war war auch einmal eine mondfinsternis angesagt, allerdings nur eine partielle und ich weiß noch, daß ich eher enttäuscht war, weil ich mir das ganze irgendwie spektakulärer, signifikanter vorgestellt hatte. ich dachte, nach so einer mondfinsternis müßte alles ganz anders werden. wurde es aber nicht. ich habe auch dem wohnzimmerfenster meiner großmutter auf den mond geschaut, abends, als es dunkel war, allein, vermutlich viel zu früh für die eigentliche finsternis. ich muß noch sehr klein gewesen sein, denn das fensterbrett liegt in meiner erinnerung so hoch. und auch wenn das haus an das ich mich erinnere schon lange nicht mehr steht weiß ich doch, daß es anders aussah als ich schon groß und das haus noch da war.

die weißen vorhänge, das weißlackierte fensterbrett, die rote ecksitzbank mit dem samtbezug. draußen die dunkelheit, die dunkelblaue nacht, die briken vor den fenstern, im garten die sommerrosensträucher, das gittergartentor, dann der gehsteig, das bankett, die straße, wieder gehsteig, das nachbargrundstück und dann die bäume und der mond und ich war irgendwie enttäuscht, denn er sah nicht anders aus und alles sah nicht anders aus und war wie immer und gleichzeitig war ich nicht enttäuscht, denn schließlich war es der mond und ich sah die muster und die krater und das gesicht, wenn man lange genug hinschaute. der mond hat mich immer versöhnt. ich mochte den mond, mag den mond. er wirkt so freundlich.

und ich erinnere mich an die totale sonnenfinsternis, damals, in irgendwelchen schulferien, als wir am dach des hauses meiner besten freundin saßen. über einen rauchfangkehrersteg waren wir auf das dach geklettert zu den anderen menschen und auf allen anderen dächer waren auch menschen und es wurde langsam dünkler und kälter und die vögel hörten langsam auf zu fliegen und zu singen. wir hielten unsere sonnenfinsternisbrillen fest und erwarteten, wartetetn, gespannt auf das ereignis. und warteten, daß alles anders würde und doch alles gleich wäre, aber eben anders und irgendwie war es dann auch so.

ein maler wohnte in dem haus udn als wir auf das dach stiegen steckte er den kopf aus dem fenster "wos mochts es do?" "aufs dach steigen, herr melchert, sonnenfinsternis! kommen Sie auch?" er hat gelacht, nein, er kommt nicht, aber wenn alles vorbei ist, sollen wir bei ihm klopfen, wir dürfen auch durchs fenster klettern, wenn uns das lieber ist. und so klopften meine freundin und ich, verändert und gleichgeblieben von der sonnenfinsternis, zusammen mit ihrer mutter und ihrer schwester, meiner zweitfamilie, an die tür zu herrn melcherts atelier. und tranken weißwein und redeten und lachten und riefen den vater der zweit-familie an, um brot und speck. und er kam und brachte brot und speck und ein großes scharfes messer und der maler melchert brachte noch mehr weißwein und wir lachten, lachten, lachten....

aus unserer sonnenfinsternis-runde leben nur noch die frauen, die männer sind uns vorausgegangen. und vielleicht sitzen sie manchmal zusammen auf einer wolke, essen speck und trinken weißwein und reden über die sonnenfinsternis, damals, weißt du noch? wer weiß.... aber ich denke es mir gerne so.

ich habe die narzissen hereingeholt, der wind wirft sie immer wieder um und sie tun mir leid, so gebeutelt draußen, die hübschen blüten könnten brechen. heute verbringen sie die nacht am gangfensterbrett. den mond kann ich immer noch nicht sehen, was schade ist. aber ich weiß, daß er da ist und das ist auch schön und so bleibe ich auch nach dieser mondfinsternis immer die selbe, immer eine andere...

nothing's gonna stop me from floating

tori amos, "father lucifer". eine meiner liebsten text- und melodielinien. immer traurig, immer zuversichtlich. nothing's gonna stop me from floating..........



mondfinsternis-update... es hat aufgerissen! so ist der narzissen-umwerfende wind doch noch zu etwas anderem gut gewesen. hübsch, so eine mondfinsternis. und irgendwie bedeutend und doch so althergebracht, so wiederholbar, so einzigartig so vergänglich. das finde ich schön...

mondfinsternis-update, die zweite.... großvaters altes fernglas rausgekramt, russisches fabrikat. kann sogar meine kurzsichtigkeit auskorrigieren, daher durchsicht ohne brille möglich. mond in seiner ganzen runden gelben pracht bestaunt. wunderschön!

erfahrungsbericht aus bremen
erfahrungsbericht aus winterthur

Montag, 26. Februar 2007

penso, que...

weißt du, was ich glaube?

ich glaube, es gibt eine zeit für uns alle, zu fallen. und es wird immer jemand geben, der uns auffangen wird, nur sehen wir es manchmal nicht. und es gibt für uns alle die zeit zu fallen und auch die zeit, einen fallenden zu fangen. und wir alle fallen und fangen immer wieder, wir müssen es nur sehen, wir müssen es nur tun. wir gehen so oft mit geschlossenen augen, ohren und herzen durch die welt, dabei erleben wir alle jeden tag so viel wundervolles. und merken es meist nicht einmal. und haben wir es einmal gemerkt, so sollen wir es weitergeben. so wie eine tür die mir aufgehalten wird, die ich jemandem aufhalte, der sie wieder dem nächsten aufhält. wie ein lächeln, das von einem zum anderen wandert. wie das lied, das wir zusammen singen, das und frei macht, daß uns eint.

und weißt du, was ich noch glaube?

das traurigste ist es, wenn jemand nicht lebt. wenn du in seine augen siehst und sie sind tot.

"Ich ging in die Wälder, denn ich wollte bewusst leben. Intensiv leben wollte ich. Das Mark des Lebens in mich aufsaugen. Um alles auszurotten, was nicht Leben war, damit ich nicht in der Todesstunde innewürde, dass ich gar nicht gelebt hatte. Das Leben ist so kostbar." Henry David Thoreau "Walden"

ich bin heute auf der musik geschwebt. ich weiß nun ganz sicher, was mein leben ist. ich darf so oft erleben wie wundervoll es ist, sich über kleinigkeiten selig zu freuen. dafür bin ich dankbar. das möchte ich auch anderen geben.

meine freunde, alle die ihr da draußen seid - lebt! lacht, weint, habt angst, seid glücklich - aber lebt.

das leben ist schön...

Mittwoch, 21. Februar 2007

ich muß mich mitteilen!

da schaue ich nach langen langen jahren wieder mal einen tatort und dann ist es ein derartig obskur-abstruser. sind die immer so? mein vater schaut ja gerne tatort, aber nicht alle, wobei ich nicht weiß, nach welchen kriterien er sich tatort-folgen, die er gerne ansieht, aussucht. ob er das vorher schon weiß? oder es ausprobiert?

als jugendliche habe ich einmal in den sommerferien spätnachts einen tatort gesehen, der hat mich sehr beeindruckt. er handelte von drei studenten, die irgendetwas anstellen und dann weglaufen und sich immer mehr verstricken und... ich erinnere mich nur noch sehr dunkel, aber ich weiß, daß ich diesen speziellen damals gut fand. genau so erinnere ich mich an diesen uralten tom hanks film, den hab' ich auch einmal im sommer nachts im fernsehen gesehen, am wohnzimmerteppich liegend, nachdem meine eltern längst schlafen gegangen waren. vielleicht war es derselbe sommer. dank imdb weiß ich jetzt auch, daß dieser film "punchline" im original heißt. und daß ich ihn ganz gerne noch einmal sehen würde, das wußte ich schon vorher. ich mag tom hanks als schauspieler, übrigens. mein liebster filmschauspieler ist robin williams, weil er so schön lachen kann und weil ich ihn mag, irgendwie. meine russischen kollegen würden sagen "ich schaaue, err ist ain guuter meensch."

außerdem habe ich im tatort-vorspann nach dem trailer gelernt, daß man als frau den überaus klingenden vornamen "feo" tragen kann, was in spanien vermutlich unglücklich ist, in anderen erdteilen aber egal sein dürfte, ähnlich wie mit pajero, übrigens... naja. im tatort heißt ein etwa sechsjähriges kind "vladimir". vladimir. es gibt namen, die passen nur zu erwachsenen, die passen nicht zu kindern. solche namen sidn im voraus gegeben, finde ich, die sind für die zukunft, so wie gewand zum reinwachsen. vladimir ist so ein name zum reinwachsen. oder ein name, der aus einem bestimmten grund gegeben wird, etwa wenn der großvater oder die lieblingsschildkröte so hießen. oder so. ich hätte ja "alexandra" heißen sollen, doch als mein vater meiner ansichtig wurde, hat er gesagt, "die kann nicht alexandra heißen", als wurde umentschieden. ich fühle mich auch gar nicht wie eine alexandra. wäre ich ein junge geworden, hätte ich übrigens sebastian geheißen, vermutlich.

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