art

Dienstag, 11. September 2007

der klavierstimmer

unlängst zogen wir, Sie werden es am meckern gemerkt haben, ein bissl um. und im zuge dessen musste auch mein geliebtes pianininininino umziehen (zu diesem behufe kamen drei große dicke starke männer, haben das trumm in einer drei-minuten-aktion owegezaht, an seinen designierten platz geklatscht und dafür € 70,- verlangt). zur feier dieser tatsache beschloss ich, ihm die erste stimmung seit das ding in meinem besitz ist anheim werden zu lassen. gesagt, getan. ich rief den mir empfohlenen klavierstimmer an, sprach ihm aufs band, er rief mich innerhalb einer halben stunde zurück (rätselhafterweise von einer gänzlich anderen festnetznummer als die, die ich angerufen hatte) und wir vereinbarten einen termin für in anderthalb wochen.

letzten donnerstag stand er also vor der tür, das heißt viel mehr in der tür, denn er füllte sie aus. nicht, weil er so dick gewesen wäre, sondern weil er so groß und kastenförmig und daher auch so breit war wie sie. er hatte einen grauen langen vollbart, weißes verwuscheltes haar, lustige augen und einen wahnsinnig starken ungarischen akzent. und er war geschätzte siebzig jahre alt. stellen Sie sich hagrid in dreißig jahren vor, dann haben Sie's.

flugs hüpfte er ins wohnzimmer, verlangte einen robusten sessel und nahm mein klavierchen auseinander. meine frage, ob er gerne tee oder kaffee hätte beantwortete er schwungvoll mit: "ja! ein bier!"

glücklicherweise hatte der herr aiiiia teures belgisches bier im hause und so konnten wir (schweren herzens, in herrn aiiiias fall, wegen des guten teuren geschätzten belgischen gesöffs) dem klavierstimmer sein bier im goldfischglas reichen (glas nicht für goldfische sondern geschmückt mit selbigen, anm.). daraufhin spielte er ein wenig klavier, verkündete, es sei zu tief und schlug die stimmgabel munter an seinem kopf an um mir diese tatsache zu beweisen. (diesen vorgang wiederholte er wiederholt. müssen harte köpfe haben, die klavierstimmer.)

danach stimmte er über zwei stunden lang mein klavier nur mit zuhilfenahme eines überdimensionalen schraubenschlüssels, eines schraubenziehers, einer länge filz und einer schwarzen zwischendiesaitenstecksache. er stimmte nach harmonie und gehör daß es eine freude war. er stimmte und stimmte, herr aiiiia flüchtete mit laptop und kopfhörern bewaffnet ins nebenzimmer und ich saß am tisch und sah ihm über die schulter. mir hat's spaß gemacht.

nach jeweils einem drittel der arbeit unterbrach er, verschob das klavier ein bißchen, telefonierte ausschließlich auf ungarisch und unterhielt sich mit mir. irgendwann brachte ich ihm ein zweites bier. er war hauptberuflich immer noch sänger, ein bass (klar, bei der körpergröße). klavierstimmen war so sein nebenerwerbszeitvertreib und er stimmte pro tag höchstens eines "sonst könnte es ja in arbeit ausarten".

nach getaner arbeit ("vielleicht darf ich mich ja hier einkleben" sprach er und pickte nachdem ich verstanden hatte was er wollte und es ihm gestattet hatte ein kleines pickerl mit seinem namen und telefonnummer unter den deckel meines pianinininininos) hievte er das klavier zurück an seinen platz, assistert von herrn aiiiia. außerdem schaffte der kalvierstimmer, das klavier so hinzustellen, daß es auch ohne siebenundzwanzig keile nicht wackelt, was mich bis heute verblüfft.

dann sammelte klavierstimm-hagrid seine sieben zwetschgen zusammen, kassierte sein honorar, unterhielt sich noch ein bißchen und zog wieder von dannen.

ich fand ihn super.

der könig ist tot, es lebe der könig

joe zawinul ist von uns gegangen.

schade. er war einer der größten in seinem genre. man denke nur an mercy, mercy, mercy oder eben birdland... übrigens war ich mal im wiener birdland, da haben finnische jazzmusiker gespielt. es war großartig, der zawinul war aber nicht da. =) er hat sich auch immer um nachwuchsmusiker gekümmert und hat projekte und cds mit ihnen gemacht. er wurde zigmal zum besten jazzpianisten gekürt. er hatte eine internationale karriere und hat mit künstlern aller erdteile wundervolle musik gemacht. ich denke, er hatte ein schönes leben. trotzdem ist es schade, daß er gegangen ist. aber wie ein user unter dem online-standard artikel ihn zitierte

der gaunze rockn roll schmäh is gonna way vorrüber

und das gilt wohl auch für legenden. und, ultimately, für uns alle.

edit: und body shop gründerin anita roddick ist auch gestorben. übrigens.

Donnerstag, 6. September 2007

der könig ist tot, es lebe der könig!

ich hab's grade im radio gehört (und sogar auf französisch verstanden) - luciano pavarotti ist tot.

das ist schade. ich weiß noch, daß mein sonst nicht klassik-affiner papa als ich klein war darauf bestanden hat im auto seine pavarotti-kassettencollection furchtbar laut zu hören... was mir damals nicht sooo gut gefallen hat. bis auf das nessun dorma, das mochte ich immer.

ciao, luciano.

Dienstag, 26. Juni 2007

für neugierige kurzentschlossene

wer gerne rätselraten mag und mich noch nicht kennt, bzw. wer mich schon kennt und sehr vermisst, der komme heute zu einem wunderbaren, lustigen kurzweiligen sommerkonzert, das ich mit drei freunden und unserer wunderbaren pianistin kurzfristig vorbereitet habe. ich würde mich sehr freuen und wir brauchen dringend publikum! bitte! =)

also:

WUNDERVOLLES KONZERT HEUTE 19:00

namens "Ein musikalischer Sommernachtstraum"

Bezirksfestwochen!
Bezirksvorstehung für dem 20. Bezirk
Bezirksamt (Magistratisches)
Brigittaplatz 10, 1200 Wien, 3. Stock

ich freu' mich sehr über jeden, der kommen kann.
alles liebe!

Sonntag, 6. Mai 2007

"kauf' dir einen bunten luftballon..."

"...hellblau, lila oder grün!" sang sie damals vor ein paar jahren auf der burgtheaterbühne in "popmes funebres" und entschwebte sanft mit ihrer riesigen luftballontraube in der hand auf den schnürboden hinauf. sie war so herzzerreißend herzig, ich hatte tränen in den augen. sie war eine echte, eine ganz große, eine gute.

baba, gusti. alles liebe. du hast bestimmt genug luftballons gehabt, die haben dich direkt in den himmel getragen. ;o)

nachruf im standard
nachruf in der welt

Dienstag, 23. Januar 2007

welches instrument bin ich?

wenn man (professionell) singt, stößt man früher oder später auch auf koloraturen, unweigerlich.
koloraturen sind wie die zuckergussverzierungen auf torten, wie die goldene kordel an omas vorhängen, wie die kirsche auf dem eis, wie ein schnelles rotes auto oder eine teure kamera: koloraturen zeugen von meisterhaft beherrschter kunst, sind reine zierde und zum angeben da. motto: ich sing' aber länger und höher als du! wer an einem opernabend die längste, komplizierteste, höchste koloratur am richtigsten singt, hat gewonnen. (momentan können Sie das in wien in der idomeneo-inszenierung am theater an der wien begutachten. laut herrn j. hat herr schade gewonnen, ich selbst habe es mir nicht angesehen, also nur informatuion aus zweiter hand.)

an koloraturen spalten sich die sänger in zwei gruppen: welche, denen es gegeben ist und solche, die es lernen müssen.

die meisten gehören der zweiten gruppe an, und dreimal dürfen Sie raten, zu welcher gruppe ich gehöre....

ich übe also brav fleißig manchmal so vor mich hin und komme mir dabei wechselweise vor wie eine querflöte (bach) oder wie eine wildgewordene geige (mozart, händel) - oder auch manchmal wie eine klarinette (rossini).

ich komme mir aber viiiiiiiel lieber vor wie ein cello (laaaange legato-phrasen) oder eine trompete (klare marcato-phrasen) - wäre ich ein instrument, wäre ich also, folgerichtig, am liebsten ein cello. überhaupt ist cello ein schönes instrument - ich mag den warmen klang. kein instrument kann so sehr weinen wie ein cello. grundsätzlich allerdings bin ich froh, daß ich kein cello, sondern eine sängerin bin - das bin ich schließlich am liebsten. an 50% der tage wenigstens. wie bei den meisten jobs ist auch dieser weit weniger glamourös, als man sich das gemeinhin so vorstellt - so, genug gejammert. viel mehr interessiert mich:

spielen Sie ein instrument? und: wären Sie ein instrument, welches wären Sie?

(am ende basteln wir uns noch so einen persönlichkeitstest hier, warten Sie nur... *grin*)

Donnerstag, 31. August 2006

dramolettinchen

a sitzt ans kopfende des bettes gelehnt, b sitzt direkt vor a und lehnt an seiner brust, sie schläft noch halb.

a (betrachtet die verwicklung ihrer beiden arme): ich bin shiva, oder wie heißt der mit den händen?
b (verschlafen): was?
a: ich bin shiva, oder wie heißt der mit den händen??
b (verwirrt): "du willst schifahren oder wie heißt das mit den enten"?
a: shiva!
b: ach so... und was ist jetzt mit den enten?
a: händen!
b: enten wären aber lustiger.....

vorhang.

Dienstag, 20. Juni 2006

space invaders!

vor einiger zeit, also in etwa vorgestern, begann ich mich uni-related mit street art zu beschäftigen. soll heißen, ich habe gelernt daß es eine vorlesung an der theaterwissenschaft gibt, die diesen namen trägt. vorgestern habe ich auch, anschließend an eine probe und in erwartung der premiere, eine stunde im museumsquartier auf einem himberroten möbel verbracht und dabei in meinem buch gelesen. aaaaber nicht nur! ich habe außerdem auch in der mq-site, vorstellend die mq-zeitschrift, gelesen und dabei gelernt, daß es einen menschen namens "space invader" gibt, der schon die verschiedensten städte mit seinen kleinen mosaiken bunter aliens "invaded" hat. selbiger ist nun "resident artist" im museumsquartier und invaded wien... d.h. pickt seine mosaikchen auf unsere häuser und so.... und das find' ich nun sehr cool.

vor nicht allzulanger zeit, also in etwa gestern, begann ich mich uni-related etwas intensiver mit street art zu beschäftigen und walkte, zwischen zwei proben und einem konzert, den vorgegebenen walk, photographierenderweise. und dokumentierte street art en masse, graffitis und stencils und stickers, verrrrry samll und life-sized banksy-lookalikes und alles was dazugehört. (ergebnisse siehe flickr.....)
dabei hatte ich großen spaß, wenn ich auch nur mit mir allein unterwegs war und meine tasche sich so anhängte, daß ich einen sherpa gebraucht hätte. es hat mir gefallen, wie der blick auf dem weg geführt und geschult wird - und es ist toll, etwas zu entdecken von dem man eigentlich wußte, daß es da ist, das man aber nie so bewußt wahrgenommen und betrachtet hat.

vor gar nicht wirklich langer zeit, also gestern abend, saß ich nach nur vier stunden schlaf, kaum essen und anderthalb wochen arbeit im blut vor dem konzert im park unweit vom kons und aß einen bagel. ich bewegte meine steifen muskeln und fühlte meine knochen - ein merkwürdiges gefühl, kann ich Ihnen sagen, aber ein seltsam befriedigend-bewußtes. kleines detail am rande. jedenfalls saß ich da so, essender und geschäftlich-telephonierenderweise als mir plötzlich etwas ins auge fiel. stach. dings. figurativ gesprochen, versteht sich. ich sah das:

CIMG2321

und habe erst nach und nach realisiert - yay! ich habe einen space invader entdeckt! und da hab' ich mich gefreut.

und so habe ich nun ein heues nobby - space invaders finden. das ist toll, es lässt sich nämlich mit meinem engen zeitplan verbinden. ich bin sowieso ständig unterwegs irgendwohin.

machen Sie mit?

Mittwoch, 31. Mai 2006

über sprechende lücken

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wie ich ja schon anderswo sagte, sind es oft die lücken, die freien stellen, die das eigentlich interessante an etwas ausmachen.... und ich finde, das ist hier ganz hübsch illustriert.
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CIMG2184
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mein heues nobby - nach dem wechstabenverbuchseln: blumen bloggen.

Dienstag, 30. Mai 2006

gestern...

...war ich da.

und wo waren Sie gestern?

*grin* okay, nein, ich bin ja nicht der herr twoblog.
ich erzähl schon auch noch wie's war. ;o)

ich war gestern im museumsquartier in der halle g und habe thomas bernhards "claus peymann kauft sich eine hose und geht mit mir essen" gesehen. dabei handelt es sich um drei dramolette, deren erstes den titel trägt "claus peymann verlässt das schauspielhaus in bochum und kommt als burgtheaterdirektor nach wien". das zweite trägt den titel, der dann über das gesamte stück gesetzt wurde "claus peymann kauft sich eine hose und geht mit mir essen" und das dritte ist "claus peymann und hermann beil auf der sulzwiese". und gespielt haben - claus peymann und hermann beil.

es war wundervoll. claus peymann und hermann beil zusammen auf einer bühne bernhardt spielen zu sehen war gigantisch. peymann war erstaunlich gut, ist auf jeden fall im laufe des abends besser geworden... sie hatten beide texte auf der bühne, beil im ersten dramolett nicht und ich denke, er hätte ihn in den anderen auch nicht unbedingt gebraucht, aber da das ganze "szenische lesung" geheißen hat und peymann auch gelesen hat, hat es besser gewirkt, denke ich. und ich muß sagen, daß teilweise gelesen wurde und daß eben "text" auf der bühne war, hat dem ganze eine gewisse ruhe verliehen und einen eigenen charakter, der den dramoletten sehr gut getan hat, meiner meinung nach...

carmen-maja antoni hat den "pausenclown" gegeben, sie hat die dramolette angesagt und regieanweisungen reingelesen, was dem bernhard-text nochmal sehr sehr gut getan hat, da seine regieanweisungen ja weit weniger "trocken" sind als die meisten anderen - und sie hat das sehr sehr gut gemacht. und der frack und der zylinder und die lustige frisur und der rote punkt auf der nase haben ihr sehr sehr gut gestanden...

hermann beil ist ein wunderbarer schauspieler - da die textlast ja auf claus peymann liegt (dem echten oder dem schauspieler, der ihn halt sonst spielt) bleibt für den partner viel stummes spiel, was beil wunderbar gemacht hat. allein sein auftritt als fräulein schneider im ersten dramolett war großartig. nicht überzeichnet, nicht utriert, in schwarzer hose, schwarzen pullover, einer roten brille, einem roten harreifen und einer schlichten perlenkette verkörperte er wundervoll peymanns sekretärin. auch als thomas bernhard im zweiten dramolett war er sehr gut und sich selbst hat er im dritten dramolett ebenfalls überzeugend gegeben. ja, ich weiß, das klingt komisch. aber man konnte das an peymann z.B. genau sehen - die ersten zehn minuten hat er "peymann gespielt" anstatt einfach peymann zu sein, wenn Sie verstehen, was ich meine. dann ist er reingekommen und alles war wunderbar.
oh, und peymann ist im dritten dramolett einmal ganz wunderbar effektvoll vom felsen gefallen mit seinem schnitzel (absichtlich, schon klar, aber es war toll....) - überhaupt, peymann und beil sich selbst spielend und schnitzel essend auf der bühne bernhard spielen... das war schon wunderbar. viel theater-götter-licher (hallo, deppenbindestrich) geht's schon nimmer. das ist wie "ritter, dene, voss" mit ilse ritter, kirsten dene und gert voss zu sehen. aber das ist eine andere geschichte.

also: es war wunderbar. es gehört definitiv in meine top five theatererlebnisse - wenn man sie nach "legendär" reiht, müßte sich der abend gestern mit samuel becketts "endspiel" am akademietheater mit george tabori auf der bühne platz eins irgendwie teilen, denke ich. sagte ich schon, es war wunderbar? es war wunderbar.

und... die ironie! peymann wieder in wien in einem stück von bernhard über ihn und wien und seine beziehung und... ach... don't get me started. es war wunderbar.

oh, und hier ist ein ei. das schlüpft, irgendwann. ich dachte, es wäre nett das hier am fuße des beitrages einzufügen. ich finde das passend, irgendwie. huiiii....

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