der klavierstimmer
unlängst zogen wir, Sie werden es am meckern gemerkt haben, ein bissl um. und im zuge dessen musste auch mein geliebtes pianininininino umziehen (zu diesem behufe kamen drei große dicke starke männer, haben das trumm in einer drei-minuten-aktion owegezaht, an seinen designierten platz geklatscht und dafür € 70,- verlangt). zur feier dieser tatsache beschloss ich, ihm die erste stimmung seit das ding in meinem besitz ist anheim werden zu lassen. gesagt, getan. ich rief den mir empfohlenen klavierstimmer an, sprach ihm aufs band, er rief mich innerhalb einer halben stunde zurück (rätselhafterweise von einer gänzlich anderen festnetznummer als die, die ich angerufen hatte) und wir vereinbarten einen termin für in anderthalb wochen.
letzten donnerstag stand er also vor der tür, das heißt viel mehr in der tür, denn er füllte sie aus. nicht, weil er so dick gewesen wäre, sondern weil er so groß und kastenförmig und daher auch so breit war wie sie. er hatte einen grauen langen vollbart, weißes verwuscheltes haar, lustige augen und einen wahnsinnig starken ungarischen akzent. und er war geschätzte siebzig jahre alt. stellen Sie sich hagrid in dreißig jahren vor, dann haben Sie's.
flugs hüpfte er ins wohnzimmer, verlangte einen robusten sessel und nahm mein klavierchen auseinander. meine frage, ob er gerne tee oder kaffee hätte beantwortete er schwungvoll mit: "ja! ein bier!"
glücklicherweise hatte der herr aiiiia teures belgisches bier im hause und so konnten wir (schweren herzens, in herrn aiiiias fall, wegen des guten teuren geschätzten belgischen gesöffs) dem klavierstimmer sein bier im goldfischglas reichen (glas nicht für goldfische sondern geschmückt mit selbigen, anm.). daraufhin spielte er ein wenig klavier, verkündete, es sei zu tief und schlug die stimmgabel munter an seinem kopf an um mir diese tatsache zu beweisen. (diesen vorgang wiederholte er wiederholt. müssen harte köpfe haben, die klavierstimmer.)
danach stimmte er über zwei stunden lang mein klavier nur mit zuhilfenahme eines überdimensionalen schraubenschlüssels, eines schraubenziehers, einer länge filz und einer schwarzen zwischendiesaitenstecksache. er stimmte nach harmonie und gehör daß es eine freude war. er stimmte und stimmte, herr aiiiia flüchtete mit laptop und kopfhörern bewaffnet ins nebenzimmer und ich saß am tisch und sah ihm über die schulter. mir hat's spaß gemacht.
nach jeweils einem drittel der arbeit unterbrach er, verschob das klavier ein bißchen, telefonierte ausschließlich auf ungarisch und unterhielt sich mit mir. irgendwann brachte ich ihm ein zweites bier. er war hauptberuflich immer noch sänger, ein bass (klar, bei der körpergröße). klavierstimmen war so sein nebenerwerbszeitvertreib und er stimmte pro tag höchstens eines "sonst könnte es ja in arbeit ausarten".
nach getaner arbeit ("vielleicht darf ich mich ja hier einkleben" sprach er und pickte nachdem ich verstanden hatte was er wollte und es ihm gestattet hatte ein kleines pickerl mit seinem namen und telefonnummer unter den deckel meines pianinininininos) hievte er das klavier zurück an seinen platz, assistert von herrn aiiiia. außerdem schaffte der kalvierstimmer, das klavier so hinzustellen, daß es auch ohne siebenundzwanzig keile nicht wackelt, was mich bis heute verblüfft.
dann sammelte klavierstimm-hagrid seine sieben zwetschgen zusammen, kassierte sein honorar, unterhielt sich noch ein bißchen und zog wieder von dannen.
ich fand ihn super.
letzten donnerstag stand er also vor der tür, das heißt viel mehr in der tür, denn er füllte sie aus. nicht, weil er so dick gewesen wäre, sondern weil er so groß und kastenförmig und daher auch so breit war wie sie. er hatte einen grauen langen vollbart, weißes verwuscheltes haar, lustige augen und einen wahnsinnig starken ungarischen akzent. und er war geschätzte siebzig jahre alt. stellen Sie sich hagrid in dreißig jahren vor, dann haben Sie's.
flugs hüpfte er ins wohnzimmer, verlangte einen robusten sessel und nahm mein klavierchen auseinander. meine frage, ob er gerne tee oder kaffee hätte beantwortete er schwungvoll mit: "ja! ein bier!"
glücklicherweise hatte der herr aiiiia teures belgisches bier im hause und so konnten wir (schweren herzens, in herrn aiiiias fall, wegen des guten teuren geschätzten belgischen gesöffs) dem klavierstimmer sein bier im goldfischglas reichen (glas nicht für goldfische sondern geschmückt mit selbigen, anm.). daraufhin spielte er ein wenig klavier, verkündete, es sei zu tief und schlug die stimmgabel munter an seinem kopf an um mir diese tatsache zu beweisen. (diesen vorgang wiederholte er wiederholt. müssen harte köpfe haben, die klavierstimmer.)
danach stimmte er über zwei stunden lang mein klavier nur mit zuhilfenahme eines überdimensionalen schraubenschlüssels, eines schraubenziehers, einer länge filz und einer schwarzen zwischendiesaitenstecksache. er stimmte nach harmonie und gehör daß es eine freude war. er stimmte und stimmte, herr aiiiia flüchtete mit laptop und kopfhörern bewaffnet ins nebenzimmer und ich saß am tisch und sah ihm über die schulter. mir hat's spaß gemacht.
nach jeweils einem drittel der arbeit unterbrach er, verschob das klavier ein bißchen, telefonierte ausschließlich auf ungarisch und unterhielt sich mit mir. irgendwann brachte ich ihm ein zweites bier. er war hauptberuflich immer noch sänger, ein bass (klar, bei der körpergröße). klavierstimmen war so sein nebenerwerbszeitvertreib und er stimmte pro tag höchstens eines "sonst könnte es ja in arbeit ausarten".
nach getaner arbeit ("vielleicht darf ich mich ja hier einkleben" sprach er und pickte nachdem ich verstanden hatte was er wollte und es ihm gestattet hatte ein kleines pickerl mit seinem namen und telefonnummer unter den deckel meines pianinininininos) hievte er das klavier zurück an seinen platz, assistert von herrn aiiiia. außerdem schaffte der kalvierstimmer, das klavier so hinzustellen, daß es auch ohne siebenundzwanzig keile nicht wackelt, was mich bis heute verblüfft.
dann sammelte klavierstimm-hagrid seine sieben zwetschgen zusammen, kassierte sein honorar, unterhielt sich noch ein bißchen und zog wieder von dannen.
ich fand ihn super.
Idoru - 11. Sep, 13:57
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