u-bahn gedanken
inspiriert von frau nahlinses beitrag dachte ich wieder einmal darüber nach, wie es ist wenn man jemanden den man nicht kennt in einem öffentlichen verkehrsmittel weinen sieht. soll man ihnen ein taschentuch reichen? oder so tun, als würde man es nicht bemerken?
ich habe auch einmal im bus geweint - in einem relativ überfüllten bus einer sehr stark frequentierten buslinie wiens. ich hatte nur ein ziel: mit möglichst viel würde möglichst schnell nach hause zu kommen und mich heulend dem lieben herrn parmenides in die arme zu werfen, den ich zur hilfe gerufen hatte ("du mußt bitte alles liegen und stehen lassen und sofort zu mir kommen." - er hat nicht nachgefragt. er hat "okay" gesagt und war da. ich habe großes glück, ihn zum freund zu haben). doch kaum hatte sich der bus in bewegung gesetzt, kullerten die tränen. ich habe nicht geschluchzt. ich habe nicht das gesicht verzogen. nur die tränen sind gelaufen und ich hatte kein taschentuch und konnte es nicht stoppen. ich hatte angst, daß mich jemand fragt ob alles in ordnung ist und gleichzeitig wäre mir das lieber gewesen als das höfliche wegsehen oder betonte nicht hinsehen, aber aus den augenwinkeln eben doch schauen. ich hätte mich über ein taschentuch gefreut.
daran habe ich mich erinnert, als ich letzte woche den jungen mann mir gegenüber in der u-bahn bemerkte. er weinte nicht, aber er blutete an der lippe oder an der nase und tupfte ständig nervös mit einem gebrauchten, zerwuzelten taschentuch an sich herum und stieg von einem fuß auf den anderen. dazwischen verbarg er das taschentuch in den taschen seiner bomberjacke, er trug außerdem helle jeans und weiße turnschuhe. die haare waren kurz geschoren, der kopf gesenkt und das gesicht duch den schirm eines kapperls verborgen. ich dachte sofort, oh-oh, der junge ist in eine schlägerei geraten. und überlegte, ob ich ihm ein taschentuch reichen sollte. vielleicht hätte er gern eines. vielleicht würde er mich auch anschreien, wer weiß. wenn ich nach kleidung und gebahren ging, schien er mir wenig vertrauenswürdig. aber er tat mir leid und ich erinnerte mich, daß ich mich damals über ein taschentuch gefreut hätte um einen rest meiner würde zu bewahren. also griff ich in die tasche und reichte dem jungen ein taschentuch. "möchtest du...?" fragte ich leise. und er blickte auf und ich sah in ein junges, frisches gesicht mit großen runden augen, die mich lustig anblickten. ""mm-mmhm - ich hab' schon" brummte er und deutete auf seine jackentasche. und strahlte mich an. "okay" sagte ich, steckte mien taschentuch wieder ein und lächelte. und er zog ein frisches taschentuch aus der bomberjackentasche und lächete auch. er war veilleicht sechzehn, siebzehn, viel älter nicht. nach unserem "gespräch" stand er gerader und hob den kopf. und lächelte. zwei stationen später stieg er aus und wir verabschiedeten uns.
ich erinnere mich gut an seinen gesichtsausdruck, nachdem ich ihm das taschentuch gereicht hatte. und ich versuche, diese erinnerung zu bewahren.
was versuche ich Ihnen zu sagen? ich weiß es nicht genau. ich habe heute schön gesungen (wenn Sie sich einen gesagstechnischen beitrag wünschen sollten, kann ich den gerne nachreichen) und bereits eine halbe flasche weißwein getrunken und ich warte auf herrn aiiia. und ich bin angeheitert und dankbar, daß ich so viel glück habe und hatte.
was also versuche ich Ihnen zu sagen? vielleicht: reichen Sie anderen ein taschentuch, wenn sie so aussehen als könnten sie's brauchen. klingt banal, aber mir gefällt's.
ich habe auch einmal im bus geweint - in einem relativ überfüllten bus einer sehr stark frequentierten buslinie wiens. ich hatte nur ein ziel: mit möglichst viel würde möglichst schnell nach hause zu kommen und mich heulend dem lieben herrn parmenides in die arme zu werfen, den ich zur hilfe gerufen hatte ("du mußt bitte alles liegen und stehen lassen und sofort zu mir kommen." - er hat nicht nachgefragt. er hat "okay" gesagt und war da. ich habe großes glück, ihn zum freund zu haben). doch kaum hatte sich der bus in bewegung gesetzt, kullerten die tränen. ich habe nicht geschluchzt. ich habe nicht das gesicht verzogen. nur die tränen sind gelaufen und ich hatte kein taschentuch und konnte es nicht stoppen. ich hatte angst, daß mich jemand fragt ob alles in ordnung ist und gleichzeitig wäre mir das lieber gewesen als das höfliche wegsehen oder betonte nicht hinsehen, aber aus den augenwinkeln eben doch schauen. ich hätte mich über ein taschentuch gefreut.
daran habe ich mich erinnert, als ich letzte woche den jungen mann mir gegenüber in der u-bahn bemerkte. er weinte nicht, aber er blutete an der lippe oder an der nase und tupfte ständig nervös mit einem gebrauchten, zerwuzelten taschentuch an sich herum und stieg von einem fuß auf den anderen. dazwischen verbarg er das taschentuch in den taschen seiner bomberjacke, er trug außerdem helle jeans und weiße turnschuhe. die haare waren kurz geschoren, der kopf gesenkt und das gesicht duch den schirm eines kapperls verborgen. ich dachte sofort, oh-oh, der junge ist in eine schlägerei geraten. und überlegte, ob ich ihm ein taschentuch reichen sollte. vielleicht hätte er gern eines. vielleicht würde er mich auch anschreien, wer weiß. wenn ich nach kleidung und gebahren ging, schien er mir wenig vertrauenswürdig. aber er tat mir leid und ich erinnerte mich, daß ich mich damals über ein taschentuch gefreut hätte um einen rest meiner würde zu bewahren. also griff ich in die tasche und reichte dem jungen ein taschentuch. "möchtest du...?" fragte ich leise. und er blickte auf und ich sah in ein junges, frisches gesicht mit großen runden augen, die mich lustig anblickten. ""mm-mmhm - ich hab' schon" brummte er und deutete auf seine jackentasche. und strahlte mich an. "okay" sagte ich, steckte mien taschentuch wieder ein und lächelte. und er zog ein frisches taschentuch aus der bomberjackentasche und lächete auch. er war veilleicht sechzehn, siebzehn, viel älter nicht. nach unserem "gespräch" stand er gerader und hob den kopf. und lächelte. zwei stationen später stieg er aus und wir verabschiedeten uns.
ich erinnere mich gut an seinen gesichtsausdruck, nachdem ich ihm das taschentuch gereicht hatte. und ich versuche, diese erinnerung zu bewahren.
was versuche ich Ihnen zu sagen? ich weiß es nicht genau. ich habe heute schön gesungen (wenn Sie sich einen gesagstechnischen beitrag wünschen sollten, kann ich den gerne nachreichen) und bereits eine halbe flasche weißwein getrunken und ich warte auf herrn aiiia. und ich bin angeheitert und dankbar, daß ich so viel glück habe und hatte.
was also versuche ich Ihnen zu sagen? vielleicht: reichen Sie anderen ein taschentuch, wenn sie so aussehen als könnten sie's brauchen. klingt banal, aber mir gefällt's.
Idoru - 15. Okt, 19:29
55 Kommentare - Kommentar verfassen - 649x gelesen
eria - 15. Okt, 20:12
und stimmt. funktioniert auch mit einem lächeln.... (wenn das gegenüber nicht weint)
herold - 15. Okt, 20:52
gibt zwar gerne ein taschentuch her, fühlt sich jedoch im öffentlichen raum durch handy-gespräche belästigt.
Idoru - 15. Okt, 21:01
ja? ich denk' mir das auch oft, wenn ich telefoniere... aber... ist denn wirklich so viel unterschied zwischen einem telefongespräch und einer live-unterhaltung?
herold - 15. Okt, 22:35
handy-gespräche werden in der regel wesentlich lauter als unterhaltungen geführt.
twoblog - 15. Okt, 22:02
Bitte um Vorsingen des Artikels im Skype, wann wäre Zeit?
Idoru - 15. Okt, 22:31
vor-SINGEN? =) vorlesen wäre drin... so in zwanzig minuten. ich seh dann einfach nach, ob Sie da sind.
twoblog - 16. Okt, 09:28
Kann man auch so schreiben und rufen:
Magisterboy, Magisterboy! Koch' mir was! Bring' den Müll runter!
Magisterboy, Magisterboy! Koch' mir was! Bring' den Müll runter!
derbaron - 16. Okt, 10:36
Frau Idoru lacht niemals aus, Herr Twoblog. Frau Idoru lacht an (und manchmal hab ich den Eindruck sie lächelt liebevoll / verständnisvoll / mitleidig).
Idoru - 16. Okt, 13:44
ich versteh das mal als kompliment und sage danke...
(meine mimik ist ja oft sehr exzessiv. ;o)
(meine mimik ist ja oft sehr exzessiv. ;o)
nahlinse - 15. Okt, 22:33
Habe auch schon in Bussen oder Flughäfen geweint. Meistens hatte ich Taschentücher dabei. ... hätte mir jemand eines angeboten - ich hätte sicher trotz Tränen gelächelt.
Idoru - 15. Okt, 22:39
wissen Sie, wo ich NIE taschentücher dabei habe? hochzeiten und beerdigungen.
stimmt, auf flughäfen hab' ich auch schon geweint.
stimmt, auf flughäfen hab' ich auch schon geweint.
nahlinse - 15. Okt, 22:52
Bei Hochzeiten habe ich dazugelernt und habe das Schnuffeltuch parat. bei Beerdigungen bin ich so fertig, da vergeht mir oft das Weinen. Dabei täte das so gut.
Idoru - 15. Okt, 23:55
ich versuche immer, mich daran zu erinnern und vorbereitet zu sein (und je älter ich werde, desto besser gelingt es mir - ich überlege noch, ob es daran liegt, daß ich verbünftiger werde oder ob man mir jugendlichen blödsinn immer weniger verzeiht... ;o)
ich weine ja überhaupt leichter - das habe ich meiner schauspielausbildung zu verdanken, die hat mich da "aufgeweicht". davor hab' ich auch kaum geheult. ich weine auch, wenn im fernsehen etwas traurig ist. oder ich traurige musik höre. oder etwas trauriges lese. ich weine allerdings auch aus rührung. und vor freude.
ich bin eine echte heulsuse! *lacht*
ich weine ja überhaupt leichter - das habe ich meiner schauspielausbildung zu verdanken, die hat mich da "aufgeweicht". davor hab' ich auch kaum geheult. ich weine auch, wenn im fernsehen etwas traurig ist. oder ich traurige musik höre. oder etwas trauriges lese. ich weine allerdings auch aus rührung. und vor freude.
ich bin eine echte heulsuse! *lacht*
Miaka - 16. Okt, 00:26
ich weiß nicht, ob ich mich über ein taschentuch freuen würde. in solchen situationen möchte ich lieber, dass mich keiner bemerkt, oder noch besser, ich mich einfach in luft auflöse...
Idoru - 16. Okt, 00:46
hm. tja, eben darüber habe ich auch nachgedacht...
aber ich glaube, ich würde mich im zweifelsfall immer für das taschentuch entscheiden. taschentücher sindweich und weiß und tröstlich.
aber ich glaube, ich würde mich im zweifelsfall immer für das taschentuch entscheiden. taschentücher sindweich und weiß und tröstlich.
derbaron - 16. Okt, 06:44
Ich weiß auch nicht, ob ich das wollen würde, aber ich würde das Taschentuch annehmen, außer es handelt sich dabei um ein schon mehrfach benutztes Stofftaschentuch (ist mir mal passiert als ich noch ganz klein war - iiiiihhh).
twoblog - 16. Okt, 09:23
Den Geruch von Fensterkitt finde ich total gut. Popel sind ja eher geschmackslos, nicht wahr, Herr Baron?
derbaron - 16. Okt, 09:29
Keine Ahnung, Herr Twoblog. Diese Erfahrung teile ich als metrosexueller Mann nicht mit Ihnen. Ich finde übrigens, dass Benzin gut riecht.
twoblog - 16. Okt, 10:26
http://de.wikipedia.org/wiki/Metrosexualit%C3%A4t
Ihre Weltgewandheit ist schon bewundernswert und ich staune einfach wieder mal nur, dass Ihre Begeisterung für das Auto, das ja nachweislich der Erde nicht gut tut, immer so gross ist. Auch Kerosin duftet fein, oder?
Ihre Weltgewandheit ist schon bewundernswert und ich staune einfach wieder mal nur, dass Ihre Begeisterung für das Auto, das ja nachweislich der Erde nicht gut tut, immer so gross ist. Auch Kerosin duftet fein, oder?
Idoru - 16. Okt, 10:31
die herren scheinen sich der frühkindlichen geruchsempfindungsphase, in der man besonders intensive gerüche (und geschmacksrichtungen) am liebsten hat wieder zu nähern...
twoblog - 16. Okt, 10:33
Ich habe nie in meinen Topf gefasst und auch das Gemachte nie angefasst. Geschweige denn zum Munde geführt.
Idoru - 16. Okt, 10:34
die herren scheinen sich der frühkindlichen geruchsempfindungsphase, in der man besonders intensive gerüche (und geschmacksrichtungen) am liebsten hat wieder zu nähern...
tilak - 16. Okt, 11:36
@idoru
und mir gefällt, deine schöne, anschauliche Art der Beschreibung ohne dabei kitschig zu wirken !
parmenides - 18. Okt, 23:44
Danke
Der Herr parmenides hat das gelesen und war wirklich sehr gerührt.
....
wirklich
....
wirklich
yvonne erber - 21. Okt, 14:49
ich weine nie, am allerwenigsten im bus.
gut, ich reagiere allergisch auf wind – also rinnen schon die trännen beim leisesten hauch.
sehe ich mir dabei in einem schaufenster oder spiegel zu, denke ich: wer ist die, die da so weint, kenne ich sie überhaupt?
so etwa müssen sie sich mein gefühl vorstellen, wenn ich in der strassenbahn (d-wagen, 71er usw,) oder mit der u1 oder u3 oder auch s-bahn fahre, wenn ich gelegentlich in wien bin.
aber in linz, münchen oder berlin ist das auch nicht anders.
unlängst hat es mich plötzlich geschüttelt, als ich beim prinzregentenplatz in die u4 eingestiegen bin.
aber in der nähe waren keine leute.
plötzlich haben wirkliche tränen zu laufen begonnen.
was peinlich war, weil sie ja in der schminke spuren hinterlassen haben.
fahre ich zur arbeit, bin ich immer geschminkt, egal wo ich bin.
ich habe vorsichtig getupft und geschnupft.
aber so schnell hat der nachschub nicht aufgehört.
ich fürchtete, ich würde mich völlig verkrampfen und haltlos zu schluchzen beginnen.
aber so weit ist es dann doch nich gekommen.
schliesslich – dort in der hinteren wagggonecke, zum fenster gebeugt, also zu meinem verschwommenen spiegelbild – überfiel mich plötzlich zorn und ekel (zorn auf meine unbeherrschtheit, ekel über meinen anblick).
und ich riss sofort meine packung taschentücher aus dem rucksack und begann alles aus meinem gesicht wegzuwischen, das puder und den lippenstift.
daran hatte ich zuhause eine dreiviertelstunde gearbeitet.
aber es hätte sowieso bald wegkommen müssen, denn ich hatte seit 9 uhr nichts im magen und mit lippenstift hätte ich ja nur am röhrchen saugend essen können.
so – das bleiche maskengesicht verschwand jetzt nach diesem herzhaften wischer.
noch ein wischer und noch einer.
ich wische, und natürlich wische ich mir auch gleich alle tränen weg.
stellen sie sich mein gerötetes gesicht vor!
und dazu meine rote nase, die sowieso von jedem luftzug rot wird.
jetzt fällt mir ein, dass es so etwas wie ein sonntagsweinen gibt.
bei mir jedenfalls, bei ihnen nicht?
am samstag bin ich gut aufgelegt, aber an sonntagen überfällts mich.
was denn?
ja, eben der sonntagsschmerz, der schmerz, dass die vergangene woche mir nur meine nerven gekostet hat.
darüber, dass ich nur im stress war, weil mir nichts eingefallen ist.
da sitze ich jedesmal und hoffe auf gute ideen.
zur ablenkung (oder auch aufmunterung) steck ich dann irgendeine dvd in den notebook,
aber ich weiss, dass danach dieser stress nicht aufgehört haben wird, und dass er am monag weitergeht, auch am dienstag usw.
natürlich gibt es auch ein nachfolgeweinen.
bei mir: eine nachfolgerührung, die mir beweist, dass ich in gewissen situationen doch empathiefähig bin.
das nachfolgeweinen würde ich aber nur zuhause im bett praktizieren, kopf in den polster und abgelenkt davon, dass ich ja zum atmen kommen müsste.
tun sie das auch?
ich habe ja immer genug taschentücher bei mir.
aber auch die bereitschaft zu spontanem trost oder zuspruch?
keineswegs, ich seh mich da gleich erstarren, da wären mir die hände wie gebunden.
ich würde zuwarten und wäre mir des urteils nicht sicher.
nicht sicher, ob ich nicht etwas übersehen habe, was mir die beurteilung dieser situation erleichtert.
es würde mich erschrecken, mich gezwungenermassen so schnell auf diese fremde person einstellen zu müssen, auch wenn ich mir nachher vorwürfe machen müsste.
aber sie haben das ja versucht, hilfe bei einem blutenden jungen mann.
mutig, denn ich habe solche männer nur in unvorhergesehenen situationen erlebt.
in diesem sinn sind sie studienobjekt, die ich aus einer gewissen entfernung mit einer mischung aus neugier, abwehr, vielleicht auch verachtung beobachte.
es ist ja ihr problem, mit ihrem aggressionsdruck umzugehen.
da will ich nicht anstreifen.
da seh ich mich nur als potentielles objekt.
insofern also war es mutig von ihnen aus meiner sicht.
wobei es ja nicht so ist, dass ich nicht gern hinter die kulissen schauen würde.
also was fühlt und denkt einer, ein männliches wesen, wenn ihm das blut aus der nase rinnt und die leute ihn entweder anstarren oder peinlich berührt wegschauen?
bomberjacke hin oder her – er kann ja das blut nicht wegzaubern, auch nicht den schmerz.
normal wäre in einem solchen moment doch die spontane hilfe.
die sie ja nach kurzer überlegung geschafft haben.
sie haben ihr misstrauen überwunden und mitleid zugelassen.
ein nebensächliches, zugleich märchenhaftes ereignis.
jemand ist anders, als er erscheint.
sie wurden in ihrem gefühlsurteil bestärkt.
man muss zwar immer auf der hut sein, sich aber trotzdem dort stark zeigen, wo es gefordert ist.
insofern achte ich immer auf haltung, gang und schrittlänge.
ich schleppe mich niemals nur so dahin, auch wenn ich müde bin.
ich trainiere ja auch meine muskeln, damit diese wehleidige weibliche schwäche verschwindet.
wenn ich meine hände balle und meine muskeln anspanne, soll mich ein warmes gefühl der stärke durchfliessen.
es soll sich eine alternative zum tunnelblick auftun.
sie haben mir auch mut gemacht, was den alkohol betrifft.
ich sollte mir endlich wieder eine flasche samos kaufen und mich damit beglücken.
singen würde ich jedoch auch unter diesen vielleicht deutlich veränderten selbsteinschätzungsumständen nicht.
aber summen, ja laut summen!
liebe grüsse
MARIASPILUTTINI
sehe ich mir dabei in einem schaufenster oder spiegel zu, denke ich: wer ist die, die da so weint, kenne ich sie überhaupt?
so etwa müssen sie sich mein gefühl vorstellen, wenn ich in der strassenbahn (d-wagen, 71er usw,) oder mit der u1 oder u3 oder auch s-bahn fahre, wenn ich gelegentlich in wien bin.
aber in linz, münchen oder berlin ist das auch nicht anders.
unlängst hat es mich plötzlich geschüttelt, als ich beim prinzregentenplatz in die u4 eingestiegen bin.
aber in der nähe waren keine leute.
plötzlich haben wirkliche tränen zu laufen begonnen.
was peinlich war, weil sie ja in der schminke spuren hinterlassen haben.
fahre ich zur arbeit, bin ich immer geschminkt, egal wo ich bin.
ich habe vorsichtig getupft und geschnupft.
aber so schnell hat der nachschub nicht aufgehört.
ich fürchtete, ich würde mich völlig verkrampfen und haltlos zu schluchzen beginnen.
aber so weit ist es dann doch nich gekommen.
schliesslich – dort in der hinteren wagggonecke, zum fenster gebeugt, also zu meinem verschwommenen spiegelbild – überfiel mich plötzlich zorn und ekel (zorn auf meine unbeherrschtheit, ekel über meinen anblick).
und ich riss sofort meine packung taschentücher aus dem rucksack und begann alles aus meinem gesicht wegzuwischen, das puder und den lippenstift.
daran hatte ich zuhause eine dreiviertelstunde gearbeitet.
aber es hätte sowieso bald wegkommen müssen, denn ich hatte seit 9 uhr nichts im magen und mit lippenstift hätte ich ja nur am röhrchen saugend essen können.
so – das bleiche maskengesicht verschwand jetzt nach diesem herzhaften wischer.
noch ein wischer und noch einer.
ich wische, und natürlich wische ich mir auch gleich alle tränen weg.
stellen sie sich mein gerötetes gesicht vor!
und dazu meine rote nase, die sowieso von jedem luftzug rot wird.
jetzt fällt mir ein, dass es so etwas wie ein sonntagsweinen gibt.
bei mir jedenfalls, bei ihnen nicht?
am samstag bin ich gut aufgelegt, aber an sonntagen überfällts mich.
was denn?
ja, eben der sonntagsschmerz, der schmerz, dass die vergangene woche mir nur meine nerven gekostet hat.
darüber, dass ich nur im stress war, weil mir nichts eingefallen ist.
da sitze ich jedesmal und hoffe auf gute ideen.
zur ablenkung (oder auch aufmunterung) steck ich dann irgendeine dvd in den notebook,
aber ich weiss, dass danach dieser stress nicht aufgehört haben wird, und dass er am monag weitergeht, auch am dienstag usw.
natürlich gibt es auch ein nachfolgeweinen.
bei mir: eine nachfolgerührung, die mir beweist, dass ich in gewissen situationen doch empathiefähig bin.
das nachfolgeweinen würde ich aber nur zuhause im bett praktizieren, kopf in den polster und abgelenkt davon, dass ich ja zum atmen kommen müsste.
tun sie das auch?
ich habe ja immer genug taschentücher bei mir.
aber auch die bereitschaft zu spontanem trost oder zuspruch?
keineswegs, ich seh mich da gleich erstarren, da wären mir die hände wie gebunden.
ich würde zuwarten und wäre mir des urteils nicht sicher.
nicht sicher, ob ich nicht etwas übersehen habe, was mir die beurteilung dieser situation erleichtert.
es würde mich erschrecken, mich gezwungenermassen so schnell auf diese fremde person einstellen zu müssen, auch wenn ich mir nachher vorwürfe machen müsste.
aber sie haben das ja versucht, hilfe bei einem blutenden jungen mann.
mutig, denn ich habe solche männer nur in unvorhergesehenen situationen erlebt.
in diesem sinn sind sie studienobjekt, die ich aus einer gewissen entfernung mit einer mischung aus neugier, abwehr, vielleicht auch verachtung beobachte.
es ist ja ihr problem, mit ihrem aggressionsdruck umzugehen.
da will ich nicht anstreifen.
da seh ich mich nur als potentielles objekt.
insofern also war es mutig von ihnen aus meiner sicht.
wobei es ja nicht so ist, dass ich nicht gern hinter die kulissen schauen würde.
also was fühlt und denkt einer, ein männliches wesen, wenn ihm das blut aus der nase rinnt und die leute ihn entweder anstarren oder peinlich berührt wegschauen?
bomberjacke hin oder her – er kann ja das blut nicht wegzaubern, auch nicht den schmerz.
normal wäre in einem solchen moment doch die spontane hilfe.
die sie ja nach kurzer überlegung geschafft haben.
sie haben ihr misstrauen überwunden und mitleid zugelassen.
ein nebensächliches, zugleich märchenhaftes ereignis.
jemand ist anders, als er erscheint.
sie wurden in ihrem gefühlsurteil bestärkt.
man muss zwar immer auf der hut sein, sich aber trotzdem dort stark zeigen, wo es gefordert ist.
insofern achte ich immer auf haltung, gang und schrittlänge.
ich schleppe mich niemals nur so dahin, auch wenn ich müde bin.
ich trainiere ja auch meine muskeln, damit diese wehleidige weibliche schwäche verschwindet.
wenn ich meine hände balle und meine muskeln anspanne, soll mich ein warmes gefühl der stärke durchfliessen.
es soll sich eine alternative zum tunnelblick auftun.
sie haben mir auch mut gemacht, was den alkohol betrifft.
ich sollte mir endlich wieder eine flasche samos kaufen und mich damit beglücken.
singen würde ich jedoch auch unter diesen vielleicht deutlich veränderten selbsteinschätzungsumständen nicht.
aber summen, ja laut summen!
liebe grüsse
MARIASPILUTTINI
Idoru - 21. Okt, 19:43
oh wow... das war glaube ich der längste kommentar, den ich je bekommen habe. danke dafür.
und: nicht weinen... richtig, beglücken Sie sich lieber. salud! und alles gute für Sie - und summen Sie schön.
und: nicht weinen... richtig, beglücken Sie sich lieber. salud! und alles gute für Sie - und summen Sie schön.
yvonne erber - 22. Okt, 00:47
natürlich
wars nichts mit dem summen. wenn man so ungeübt im weintrinken wie ich ist, gehen 2 viertel nicht nur in die knie! ;-) da muss man schon lachen und schreien. und danke für ihre lieben wünsche! was singen sie denn, wenn sie singen?
Idoru - 22. Okt, 10:49
ich singe beruflich, also... eigentlich singe ich alles, was man von mir erwarten würde. und privat singe ich alles, was mir grad so einfällt. =) kinderlieder zum beispiel!
yvonne erber - 22. Okt, 16:42
oh,
wenn das so ist, würd ich sie gern singen hören wollen, beruflich. es hinge aber dann doch davon ab, was sie singen, ob ich mir die cd dann auch wirklich kaufe. glauben sie, liesse sich das mit meinen weintrinkübungen verbinden? und was würde mich schneller high machen? ;-)
Idoru - 22. Okt, 23:02
ich singe ja klassisch, daher erlebt man mich am besten live... oder, wenn ich sehr berühmt werden sollte könne Sie mich vielleicht einmal im fernsehen sehen. =)
schneller high macht Sie all das, was Sie gerne hören - was Ihnen gefällt, wissen Sie ja sicher am besten...
schneller high macht Sie all das, was Sie gerne hören - was Ihnen gefällt, wissen Sie ja sicher am besten...
yvonne erber - 23. Okt, 16:06
dachte ich mirs doch!
zb hab ich 2 cd schubert-lieder, emi classics. und auch elisabeth schwarzkopf remastered.
ich hab aber nichts gegen live, wenn sichs ausgeht. wo denn? und wann?
liebe grüsse MARIA SPILUTTINI
ich hab aber nichts gegen live, wenn sichs ausgeht. wo denn? und wann?
liebe grüsse MARIA SPILUTTINI
Idoru - 23. Okt, 21:14
auftritte werden gegebenenfalls sowieso hier im blog bekannt gegeben, sofern ich sie für öffentlichkeitstauglich befinde...


Trackback URL:
http://idoru.twoday.net/stories/4352225/modTrackback